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Wandering Hours

Ab Sonntag, den 18. Oktober 2026 präsentiert Seongbin Ma ihre Ausstellung »Wandering Hours« in der SCHLEUSE. Die 1996 in Südkorea geborene Studentin der Frankfurter Städelschule lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Dass ihre künstlerische Praxis nicht nur Zeichnungen, sondern auch Installationen umfasst, zeigte die Künstlerin bereits diesen Sommer im Garten der Opelvillen, als sie ihre Arbeit »Busy Hands« beim OPEN AIR-Festival SCHLEUSE / LABOR ausgelagert vorstellte. Zur Finissage am Sonntag, den 22. November 2026 wird Seongbin Ma persönlich anwesend sein.

 

2025 wurde Seongbin Ma mit dem renommierten Maria Sibylla Merian-Preis der Alfred-Weigle-Stiftung und des Museums Wiesbadens ausgezeichnet. In ihrem Projekt beschäftigt sie sich mit Stadtspaziergängen, die sie durch Zeichnungen, Fotografien und tagebuchartige Texte dokumentiert. Im Mittelpunkt steht das Zeichnen als Methode des genauen Sehens und Verstehens, insbesondere der kleinen und oft übersehenen Lebensformen in urbanen Zwischenräumen. Eine Auswahl der bisher im Rahmen des Projektes entstandenen Zeichnungen wird die Künstlerin in der SCHLEUSE erstmals vorstellen. Gleichzeitig inszeniert sie mit ihrer Ausstellung »Wandering Hours« eine Art Miniaturwelt und lenkt den Blick auf winzige Details.

 

Ihre SCHLEUSEN-Schau »Wandering Hours« kündigt die Künstlerin Seongbin Ma wie folgt an:

»Ich wurde 1996 in Gwangju, Südkorea, geboren. Menschen meines Jahrgangs gehören gewissermaßen noch zu den späten Millennials, teilen zugleich aber viele Kindheitserfahrungen mit der frühen Generation Z. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, fühlt sich Vieles an, als stamme es aus einem anderen Leben: Disketten, die innerhalb weniger Jahre durch CDs ersetzt wurden, klobige Computer neben dem Fernseher, die ersten Computerspiele, Tomatenpflanzen im Klassenzimmer und der Nektar von Akazienblüten, den wir auf dem Schulhof aus den Blüten saugten.
Eine der prägendsten Erfahrungen dieser Zeit war für mich der Anime ›Digimon Adventure‹. Die Serie spielt im Jahr 1999 und erzählt von sieben Kindern, die während eines Sommercamps in die digitale Welt geraten und dort gemeinsam mit ihren Digimon eine unbekannte Welt erkunden. Schon die erste Folge beginnt mit ungewöhnlichen Wetterereignissen auf der ganzen Welt und kündigt eine Reise in eine Welt an, die noch niemand zuvor betreten hat.

 

Vielleicht wirkt es zunächst seltsam, dass ein Buch über kleine Lebewesen in der Stadt mit einem Anime beginnt. Für mich sind solche scheinbar unverbundenen Dinge jedoch durch feine Fäden miteinander verknüpft. Wenn ich diesen Fäden folge, führen sie immer wieder zu anderen Teilen meines Lebens zurück.
 

Ich bin kein besonders naturverbundener Mensch und auch kein Pflanzenexperte. Ebenso wenig möchte ich behaupten, dass wir der Stadt und ihrer Infrastruktur den Rücken kehren und zur Natur zurückkehren sollten. Mich interessieren vielmehr die kleinen Lebewesen, die in den Zwischenräumen der Stadt existieren. Ich beobachte sie aus der Perspektive eines gewöhnlichen Menschen, der als Künstler vielleicht etwas empfindlicher für solche Dinge ist.
 

Dafür muss ich noch einmal zu ›Digimon Adventure‹ zurückkehren. Mein Lieblingscharakter war Palmon, das Digimon von Mimi. Palmon verbindet in seiner Erscheinung etwas Reptilienartiges mit etwas Pflanzlichem. Als Kind stellte ich mir vor, Palmon sei mein eigenes Digimon. Ich lief durch den Garten meiner Großmutter, berührte Pflanzen, Erde und Bäume und stellte mir vor, gemeinsam mit ihm diese Welt zu erkunden.

 

Vielleicht liegt genau darin für mich der Berührungspunkt zwischen dem Digitalen und der Natur. Ich wuchs weder auf dem Land noch in einer Großstadt auf, sondern in einer Randregion Südkoreas, zu einer Zeit, als Computer und Online-Kultur gerade Teil des Alltags wurden. Gleichzeitig verbrachte ich viel Zeit im Garten meiner Großmutter, zeichnete auf alten Kalenderblättern und beobachtete die Pflanzen und kleinen Lebewesen um mich herum.

 

Wie Palmon, dieses digitale Wesen, in dem sich Pflanze und Reptil miteinander verbinden, bin auch ich zwischen scheinbar gegensätzlichen Welten aufgewachsen. Heute arbeite ich viel mit digitalen Medien und beschäftige mich zugleich mit den kleinen Lebewesen und pflanzlichen Strukturen, die in der Stadt existieren.«

 

Die SCHLEUSEN-Ausstellung »Wandering Hours« von Seongbin Ma kann bis Sonntag, den 22. November 2026 immer zu den Öffnungszeiten der Opelvillen und des Restaurants in den Opelvillen besichtigt werden. Der Eintritt in die SCHLEUSE ist kostenlos.

Veranstaltungsort

Opelvillen

Ludwig-Dörfler-Allee 9
65428 Rüsselsheim am Main

Veranstalter

Opelvillen