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Regionalpark lädt zu Veranstaltung auf Opel-Rennbahn ein

Am 24. Oktober verwandelt der Künstler Arhun Aksakal den Himmel über der ehemaligen Opel-Rennbahn in Rüsselsheim in eine leuchtende Himmelszeichnung: Mit einer Drohnenchoreografie lässt er die Ellipsenform der historischen Rennstrecke für 13 Minuten wieder sichtbar werden. Aksakal, der in Frankfurt lebt und arbeitet, beschäftigt sich in seiner Kunst mit Fragen von Ort, Geschichte und technologischem Wandel. Wir hatten im Vorfeld Gelegenheit, ihm einige Fragen zu stellen.

 

Herr Aksakal, wie sind Sie auf die ehemalige Opel-Rennbahn in Rüsselsheim aufmerksam geworden, und was hat Sie beim ersten Besuch bewegt?

 

Arhun Aksakal: 2023 nahm ich als Städelschule-Student an einer Ausstellung in den Opelvillen teil. Beim Erkunden Rüsselsheims zu Fuß erzählten mir ältere Passanten von der Rennbahn. Mich interessiert, wie Orte unsere Wahrnehmung prägen, auch im Zusammenhang mit Psychogeografie und Urban Exploring, dem Erkunden verlassener Orte. Vor Ort faszinierten mich die asymmetrische Ellipse und die Steilkurven. Ich stellte mir die Begeisterung vor, mit der man diese Strecke einst gebaut hatte. Vor allem faszinierte mich der Gedanke, den damaligen Tests zuzuschauen und diese Pionierarbeit des Automobils mitzuerleben. Gleichzeitig sah ich, wie die Vegetation das Bauwerk zurückerobert. Die Landstraße, die die Rennbahn durchschneidet, erschien mir als Bruch zwischen Kreislauf und stetigem Fortschritt. Wie konnte dieser Ort so sehr aus dem Blick geraten? Damit begann meine Recherche.
 

Mit ELLIPSE II ECLIPSE lassen Sie die Form der Rennbahn als Drohnenchoreografie am Himmel wieder aufleben. Wie wird aus so einer Idee ein konkretes Kunstprojekt?

 

Die Form entstand auch aus Widerständen. Die Rennbahn gehört nicht der Stadt; Schutzanforderungen, insbesondere zum Trinkwasserschutz, begrenzen ihre Nutzung. Angesichts der industriellen Vergangenheit beschäftigen mich mögliche Spuren in Boden und Grundwasser. Ich respektiere diese Anforderungen und frage zugleich, wie sie Denkmal und öffentlichen Zugang beeinflussen. Drei Jahre lang prüfte ich mit Eigentümer und Stadt verschiedene Ansätze. Auch mit der Initiative, die sich für den Erhalt der Opel-Rennbahn einsetzt, war ich im Austausch. Mich interessiert weniger eine Wiederaufnahme des Motorsports als ein gemeinsam nutzbarer Park wie das Tempelhofer Feld, etwa zum Drachensteigen oder Inline-Skaten. Als andere Ansätze scheiterten, dachte ich: Wenn der Boden für meine Arbeit nicht verfügbar ist, gehe ich in die Luft, um das Projekt zu realisieren. Ich denke außerdem, dass sich künftig weitere Formen der Mobilität in der Luft entwickeln könnten, auch in der Personenbeförderung. Mich interessiert dabei der Luftraum als Infrastruktur. Wie komplex die Organisation des Luftraums schon heute ist, wurde bei der Programmierung der Drohnenchoreografie anhand der behördlichen Vorgaben spürbar. Gerade wegen der Flughafennähe brauchte es Genehmigungen und mit Behörden und Landwirten abgestimmte Start- und Landeflächen.
 

Drei Jahre Recherche stecken in diesem Projekt. Was hat Sie in dieser Zeit am meisten überrascht oder berührt?

 

Überrascht hat mich das große Interesse, auch bei Menschen, die die Rennbahn nicht kannten, und der Wunsch, ihre Geschichte weiterzugeben. Ein solches Projekt würde ich künftig nicht mehr alleine angehen: Es kostete viel Zeit und Energie. Besonders danke ich Dr. Jonathan Roth vom Kulturbüro und der Stadt Rüsselsheim für ihre Unterstützung. Zu erleben, wie Kunst Menschen zusammenbringt und etwas bewegt, hat mich durch schwierige Phasen getragen.
 

Die Rennbahn stand einst für Aufbruch und Fortschritt. Heute arbeiten Sie mit Drohnen - einer Technologie, die auch für Überwachung und Krieg steht. Wie gehen Sie als Künstler mit diesem Widerspruch um?

 

Dieser Widerspruch ist ein Ausgangspunkt. Der Bau der Rennbahn begann 1917, im Ersten Weltkrieg; fertiggestellt wurde sie 1919. Technische Entwicklungen brachten neue Freiheiten und dienten zugleich militärischen Zwecken. Paul Virilios Dromologie, die Geschwindigkeit als Frage gesellschaftlicher und politischer Macht untersucht, ist dafür ein Bezugspunkt. Heute frage ich erneut: Hinterfragen wir bei aller Faszination ausreichend, wer über Technologien verfügt und wofür sie eingesetzt werden? Hunderte Drohnen folgen einer gemeinsamen Programmierung. Das Lichtbild kann faszinieren und zugleich Unbehagen angesichts anderer, auch zerstörerischer Einsatzmöglichkeiten auslösen. Beides möchte ich zulassen. Die Rennbahn erzählt auch von Aufbau, Vernachlässigung und Vergessen. Entwickeln wir schneller, als wir die Folgen verarbeiten können? Was Generationen geschaffen haben und bewahren möchten, können wenige Menschen mit weitreichender Macht rasch zerstören. Deshalb geht es auch darum, wie wir zusammenleben und unsere politischen Möglichkeiten nutzen.

Nur 13 Minuten, bei Dunkelheit, am Himmel über einem fast vergessenen Ort. Warum diese kurze, konzentrierte Form, und was soll in diesen Minuten passieren?

 

Die Dauer verweist für mich auf unsere Existenz: Gemessen an der Erdgeschichte verändert die Menschheit den Planeten tiefgreifend innerhalb eines kurzen Moments. Der Titel geht von der durch Landschaftseingriffe und Straßenbau unterbrochenen Ellipse aus. Aus ihr wird bildlich eine Eclipse: eine Überlagerung und Unterbrechung. Lichtpunkte verbinden sich zu Formationen, die sich öffnen, überlagern und auflösen. Die Bezüge reichen von der Geografie und Geologie des Ortes bis zu elliptischen Umlaufbahnen der Planeten. Vergänglichkeit, Entropie und Veränderung werden in wenigen Minuten sichtbar, ähnlich dem Bauwerk, das seine Funktion verliert und wieder in die Landschaft übergeht. Am ehemaligen Ort der Geschwindigkeit möchte ich einen anderen Rhythmus anbieten: Zeit zum genauen Hinsehen.

 

Was raten Sie den Besucherinnen und Besuchern: Worauf sollen sie achten, und was nehmen sie im besten Fall mit nach Hause?

 

Ich empfehle, entlang der Feldwege bei Rüsselsheim-Königstädten einen Platz mit freiem Blick zum Himmel zu suchen und auf den Wegen zu bleiben. Achten Sie auf Rhythmus, Lichtabstände und das Verhältnis zur Landschaft. Vorwissen braucht es nicht. Ich wünsche mir ein gemeinsames Erlebnis mit Raum für eigene Beobachtungen. Wenn dadurch Neugier auf die Geschichte und Zukunft der Rennbahn entsteht, wäre viel erreicht.

 

Alle Infos zur Veranstaltung


Datum: Samstag, 24. Oktober 2026
Beginn: 19 Uhr
Dauer: ca. 13 Minuten
Ort: Feldwege bei Rüsselsheim-Königstädten, im Umfeld der ehemaligen Opel-Rennbahn
Eintritt: frei, keine Anmeldung erforderlich
Anreise: Zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Mit dem ÖPNV: Bahnhof Rüsselsheim, dann Buslinien 4a oder 4b nach Königstädten, anschließend zu Fuß zu den Feldwegen. Aktuelle Verbindungen unter www.rmv.de.

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Mo, 19. Oktober 2026

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